Der Slackline-Profi Lukas Irmler im Interview

lukas irmler

Der Slackline-Profi Lukas Irmler im Interview

Lukas Irmler…

…ist aktueller Weltrekordhalter auf der Highline und reist mit seiner Slackline um den Globus.

Der junge Freisinger ist einer der besten Slackliner der Welt und seit 2011 Profi.

Wie er die Angst auf über 5200 Meter ausblendet, was er über die Zukunft des Slacklinen denkt und welche Projekte als Nächstes anstehen, verrät er uns im folgenden Interview. Viel Spaß!

 

Hi Lukas, stell dich doch bitte kurz vor.
Lukas Irmler, 26 Jahre alt, komme aus Freising und bin seit 2006 begeisterter Slackliner. Seit 2011 bin ich Slackline Profi und habe mich nach meinem Chemiestudium voll und ganz dem Sport verschrieben. Seit 2013 mache ich noch meinen Master in Wirtschaftswissenschaften an der TU München.

 

Wie hast du das Slacklinen für dich entdeckt und wann war das?
Ich bin über den Klettersport und Freunde zum Slacklinen gekommen. Das war im Sommer 2006.

 

Wann hast du mit dem Highlinen angefangen und wie kamst du dazu?
Das Highlinen kam dann 2008 dazu. Zuerst probierten wir selbst einige Baumhighlines aus, dann machte ich erste Erfahrungen bei Festivals und lernte dort alles um dann mit Freunden erste Expeditionen, wie 2009 nach Griechenland (Meteora), zu starten.

 

Hattest du jemals einen 9 to 5 Job mit Büro, Krawatte, bitterem Kaffee und sinnlosen Konferenzen?
Haha… hatte ich noch nicht. Habe bisher das glückliche Leben eines Studenten und Sportlers erleben dürfen. Aber glaubt mir, als professioneller Slackliner verbringe ich mit Sicherheit genauso viel Zeit vor dem Computer wie auf der Line, das reicht mir eigentlich schon!

 

Trainierst du nach einem bestimmten Trainingsplan oder wie kann man sich deinen sportlichen Alltag vorstellen?
Mein Training ist sehr von anstehenden Reisen, Shows und vokalen sportlichen Zielen geprägt. Ich trainiere hin und wieder gezielt auf ein bestimmtes Event oder einen Rekord hin, dann auch mit Trainingsplan. Meistens versuche ich das zu machen was mir Spaß macht, denn nur so behält man die Freude am Sport, und die Motivation ist das Wichtigste für den Erfolg.

 

Dein Höhenweltrekord auf der Slackline liegt bei 5222 Meter und wurde in den peruanischen Anden aufgestellt. Wie schaffst du es in solch einer Höhe, auf einem dünnen Seilchen konzentriert zu bleiben? Da zittern einem doch die Knie?
Ja, die Knie zittern einem, aber bei mir weniger vor Angst als vor Erschöpfung. Der ganze Aufstieg, das tagelange Warten und der Aufbau der Line waren die wirklichen Herausforderungen für mich. Die Slackline selbst war eher das Sahnehäubchen, der Genuss des ganzen Unterfangens.
Wenn man wie ich, seit nunmehr 6 Jahren, in luftigen Höhen balanciert, ist das Erlebnis einer solch kurzen Line ein eher spaßiges, erfüllendes und nicht mehr so furchteinflößendes Gefühl wie früher.

 

Der Rekord wurde in Peru aufgestellt. Warum ausgerechnet dort?
Peru hat mich schon immer angezogen. Ich wollte einfach das Land und die Leute dort kennenlernen und nicht zuletzt ist es in Peru logistisch bedeutend einfacher, auf wirklich hohe Berge zu kommen als beispielsweise im Himalaya. Ich wollte mir hier für meinen ersten, so hochalpinen Highline Rekord nicht gleich das Dach der Welt aussuchen. Das kann aber vielleicht noch kommen…

 

Kannst du schon verraten, was als Nächstes ansteht?
In Afrika hat für mich 2011 vieles seinen Lauf genommen und so zieht es mich wieder zurück auf den Urkontinent, was genau will ich aber noch nicht verraten!

 

Du bist viel unterwegs, für und mit deinen Sponsoren. Bleibt dir da Zeit andere Länder und Kulturen kennenzulernen? Oder sind die Termine eher straff getimt?
Ja, ich habe mal 2013 gezählt wie viele Tage ich nicht zu Hause war. Das waren ca. 200 Tage. Das schöne ist wohl, bei aller Popularität, dass Slacklinen immer noch klein ist. Auf meinen Reisen treffe ich mich fast immer mit lokalen Slacklinern, die mich bei meinen Projekten unterstützen. So kann man viel mehr über Land und Leute erfahren, als wenn man als Tourist unterwegs ist.

 

Wir haben gerade Oktober und der Winter steht uns bevor. Wie verbringst du als Slackliner die kalte Jahreszeit? Hast du die Möglichkeit in einer Halle zu trainieren? Oder einfach Mütze und Handschuhe an und raus ins kalte Weiß?
Ja, inzwischen haben wir eine Tainingshalle In Freising für den Winter. Aber nichts desto trotz werde ich auch outdoor aktiv sein. Es gibt immerhin ein paar Highline Spots, die im Winter sogar besser zu erreichen sind als im Sommer.

 

Slacklinen ist immer mehr im Kommen. So wurden z. B. vor Kurzem zwei Slackline-Anlagen in Göttinger Parks angelegt – die Kosten von 6500 Euro hat die Stadtverwaltung übernommen. Wie siehst du die Entwicklung des Slacklinen?
Ja definitiv nach oben. Slacklinen ist in meinen Augen keine Trendsportart mehr, sondern als eigene Sportart angekommen und gliedert sich nach und nach in verschiedene Disziplinen. Vereine und Verbände sind im Entstehen, was sehr wichtig für die Interessenvertretung, gerade im öffentlichen Raum und in Städten, ist. Ich glaube durch die große Bekanntheit werden wir in Zukunft noch mehr offene Türen haben und den Sport noch bedeutend weiterbringen können.

 

Gerade am Anfang stellt sich für viele Slackliner die Frage: mit oder ohne Schuhe?
Du trägst Schuhe beim Slacklinen, warum?
Naja, für mich kommt es auf die Art der Slackline an. Longlines und Highlines laufe ich am liebsten barfuß, aber auf der Trickline bevorzuge ich Schuhe.
Ich habe da zusammen mit adidas Outdoor über die letzten Jahre einen speziellen Schuh, den Slack Cruiser, entwickelt. Diesen Schuh benutze ich auch sehr gern für den Zustieg zu Highlines und für moderate Klettereien.
Für mich bedeutet ein Schuh einfach ein besser Schutz der Füße und ermöglicht einem auf der Trickline besser zu agieren. Ob man mit oder ohne Schuhe slacken will ist, denke ich, weitestgehend Geschmack und Gewöhnung. Im Winter wird man aber oft zum Schuhfreund.

 

Und welche Schuhe bevorzugst du auf der Line?
Definitiv den Slack Cruiser von adidas Outdoor. Mit der Five Ten Stealth Sohle ist er wie gemacht zum Tricklinen und für mich auch super für leichte Zustiege, gerade im felsigen Gebiet zahlt sich der Klettergummi aus.

 

Hast du einige generelle Tipps für Slackline-Anfänger?
Niemals aufgeben. Am Anfang is es hart sich auf der Line zu halten, aber Übung macht den Meister.

 

Kannst du uns ein Buch oder eine DVD zum Thema Slacklinen empfehlen?
Reinhard Kleindl´s Slackline Tutorial ist super. Auch das Slackline Buch von Heinz Zak kann ich euch ans Herz legen.
Wer wirklich etwas lernen will, kann sich auch an dem Buch von Fritz Miller versuchen, das ist eher für Leute die auch über das Anfänger-Niveau hinaus Slacklinen lernen wollen.

 

Lukas, vielen Dank für deine Zeit und alles Gute für deine weiteren Projekte und
Rekorde.

Mehr Infos zu Lukas Irlmer findest du auf seiner Webseite: www.lukas-irmler.com

Foto: Matthias Hombauer/adidas Outdoor

 

Hier das Video von Lukas Irmler und dem Highline Weltrekord

 

 

 

 

 

 

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